Bericht über die Libanonfahrt vom 02. bis 07. November 2015

Hochmotiviert trafen sich alle 16 Teilnehmer, darunter sieben Schüler, die Religionslehrer  Herr Gehr, Pater Fabian und Herr Heim, sowie vier Eltern und zwei andere Interessierte am Flughafen München, um gemeinsam die Reise Richtung Libanon anzutreten. Oranisiert wurde diese private Studienfahrt von Herrn Gehr.
Nach insgesamt vier Stunden Flug und einigen Stunden Aufenthalt am Flughafen Istanbul landeten wir nachts in Beirut und kamen um halb 3 Uhr morgens im Hotel Mozart an. Da das Hotel sehr zentral liegt machten wir uns am nächsten Morgen auf zu einer selbstständigen Erkundungstour durch Beirut. Das Stadtbild zeigt noch deutliche Relikte aus der Zeit des Bürgerkriegs, der von 1975 bis 1990 andauerte. Moderne Hochhäuser stehen Wand an Wand neben alten abriss-bereiten oder nie fertig gebauten Gebäuden. Auch das Sicherheitsrisiko war uns ständig präsent vor Augen. Viele Straßen waren durch Stacheldrahtzäune abgesperrt und an fast jeder Straßenecke stand bewaffnetes Militär oder Polizei. Leider gibt es in Beirut keine direkte Altstadt, deshalb schlenderten wir die Promenade entlang und besichtigten die sunnitische Mohammed-al-Amin-Moschee, welche erst 2007 fertiggestellt worden war, und die maronitische Kathedrale Sankt Georg. Die Besichtigung des Sahat an-Nadschma, auch Place de l'Étoile, mit dem berühmten Uhrenturm war uns leider aufgrund eines Staatsbesuchs nicht möglich, denn der Platz, an dem sich außerdem das Parlamentsgebäude befindet, war weiträumig abgesperrt.
Am Mittwoch, den 4. November stand dann unser eigentliches Ziel, die „future generation school“ auf dem Programm. Wir überquerten das Libanongebirge und die Bekaa-Ebene und kamen schließlich in Bar Elias an. Vor uns konnten wir den Anti-Libanon, das Gebirge, in dem die libanesisch-syrische Grenze verläuft, sehen. Im Hintergrund der Schule konnten wir die Flüchtlingslager aus Zelten erkennen. In der Schule wurden wir von unserer Kontaktperson Chadi willkommen geheißen. Er erklärte den Kindern, die sich auf dem Schulhof zum Appell versammelt hatten, warum wir hier sind. Nachdem wir im Büro die Geldspende und die Laptops übergeben hatten, besuchten wir jedes einzelne der Klassenzimmer. Jeder Raum war bis ins letzte Eck mit Kindern gefüllt. Die Einrichtung war schlicht, aber dennoch zweckdienlich. Die Wände waren in freundlichen Farben gestrichen und teilweise von den Schülern selbst gestaltet worden. An der Schule werden Flüchtlingskinder von der Vorschule bis zur 9. Klasse unterrichtet. Der Grundgedanke der Schule ist, laut Chadi, die Kinder von der Straße zu holen und ihnen Abwechslung zu ihrem Leben in den Flüchtlingsunterkünften zu bieten, und wir hatten den Eindruck, dass dies ihnen auch gut gelingt. Die Kinder, die von syrischen Lehrkräften unterrichtet werden, waren überwiegend sehr offen und neugierig uns gegenüber. Wir schauten in jede Klasse und Chadi erklärte uns, was hier gerade gelehrt wird. Oft rutschten die Kinder, falls noch ein wenig Platz war, zusammen, sodass wir uns zu ihnen setzen konnten. Leider war es meistens nicht möglich mit den Kindern selbst zu reden, denn nur die Schüler der höheren Klassen hatten Englischunterricht. Am Ende des Besuchs in jeder Klasse wurden wir von den Schülern mit einem lautstarken „Danke Deutschland“ verabschiedet. Das Schicksal und die Lebensumstände der Kinder in Bar Elias, aber auch die Betreuung in der Schule beeindruckte die ganze Gruppe schwer.
Im Anschluss daran besichtigten wir eine weitere Schule, die derzeit aufgebaut wird, denn die „future generation school“ muss hunderte von Flüchtlingskinder abweisen, da die Raumkapazitäten erschöpft sind. Insgesamt werden in den beiden Schulen über 1400 Kinder unterrichtet. Auch in dieser zweiten Schule kamen wir zu den Schülern in den Klassen. Unser Besuch endete im Lehrerzimmer, wo uns Baklava angeboten wurde und wir recht herzlich verabschiedet wurden.
Auf dem Heimweg besichtigten wir mir unserem Reiseführer Charbel, der uns von diesen Tag bis zum letzten Tag begleitete, den osmanischen Palast Beit ed-Din.
Am Donnerstag fuhr uns unser Busfahrer Ali zu den berühmten Taubenfelsen, die Wahrzeichen von Beirut sind. Nach einem kurzen Stopp ging es weiter zur Jeita-Grotte, einer sehr eindrucksvollen Tropfsteinhöhle. Als nächstes besichtigten wir die christliche Pilgerstädte Harissa. Hier steht die „Notre Dame du Liban“, eine große weiße Marienstatue und die Basilika St. Paul. Danach fuhren wir weiter zur Hafenstadt Byblos, einer der ältesten Städte der Welt. Nach einer kurzen Pause führte uns Charbel durch das archäologische Areal, auf welchem auch die Kreuzritterburg und der Tempel der Obelisken steht.
Am Freitag fuhren wir Richtung Norden zum größten Zedernwald Libanons. Die Zeder war in der phönizischen Zeit einer der wichtigsten Rohstofflieferanten und ist auch heute noch in der libanesischen Flagge als Nationalsymbol abgebildet. Auf dem Weg dorthin stoppten wir in Bsharri, um das Haus des berühmten libanesisch-amerikanischen Philosophen und Malers Khalil Gibran zu besichtigen. Nach fast zweieinhalb Stunden Fahrt war es sehr schade, dass wir aufgrund starken Regens den Wald nur durch die Scheiben des Busses betrachten konnten. Dafür besuchten wir das Antoniuskloster Quzhaya, das für die älteste Druckpresse im Nahen Osten bekannt ist.
Wir verließen Beirut am frühen Samstag Morgen und landeten, nach einem Zwischenstopp in Istanbul, alle wohlbehalten und voll neuer Erfahrungen und Eindrücke in München.


Martina Westermeier, Q12

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